E-Bike-Wissen · 02
Der E-Bike-Akku: Reichweite, Alterung und was Pflege wirklich bringt
Die Reichweitenangabe im Prospekt und die Reichweite im Alltag unterscheiden sich regelmäßig um die Hälfte. Beide Zahlen sind richtig; sie messen nur nicht dasselbe. Wer versteht, was den Verbrauch treibt, plant realistisch.
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Ein E-Bike-Akku wird über zwei Zahlen beschrieben: Spannung in Volt und Kapazität in Amperestunden. Multipliziert ergibt das die Energie in Wattstunden, und nur diese Zahl erlaubt einen Vergleich zwischen Systemen. Ein 36-Volt-Akku mit 14 Amperestunden hat 504 Wattstunden, ein 48-Volt-Akku mit 10,5 Amperestunden 504 Wattstunden. Beide speichern gleich viel.
Wattstunden: die einzige vergleichbare Zahl
| Kapazität | Typisch an | Reichweite realistisch |
|---|---|---|
| 300 – 400 Wh | leichte City- und Urban-E-Bikes | 30 – 55 km |
| 500 Wh | Trekking, der verbreitetste Wert | 45 – 80 km |
| 625 – 750 Wh | Trekking und E-MTB | 60 – 110 km |
| 900 Wh und mehr | Lastenräder, Tourenräder | 80 – 150 km |
Die Spanne in der rechten Spalte ist kein Messfehler, sondern die Realität: Dieselbe Kapazität liefert je nach Gewicht, Unterstützungsstufe, Wind und Steigung sehr unterschiedliche Reichweiten.
Was die Reichweite tatsächlich bestimmt
- Unterstützungsstufe: der mit Abstand größte Hebel. Zwischen der niedrigsten und der höchsten Stufe liegt oft der Faktor zwei.
- Gesamtgewicht: Fahrer, Rad und Gepäck. Zwanzig Kilo mehr kosten spürbar Reichweite, vor allem bergauf.
- Trittfrequenz: Mittelmotoren arbeiten bei 70 bis 90 Umdrehungen am effizientesten; wer im großen Gang kurbelt, verbraucht mehr.
- Temperatur: bei null Grad stehen rund 30 Prozent weniger Energie zur Verfügung als bei zwanzig Grad.
- Reifendruck: zu weiche Reifen kosten mehrere Prozent, und zwar auf jedem Kilometer.
- Profil und Wind: der Faktor, den keine Prospektangabe abbilden kann.
Wie eine Zelle altert
Lithium-Ionen-Zellen verlieren Kapazität auf zwei Wegen. Der eine ist die zyklische Alterung durch Laden und Entladen; sie hängt davon ab, wie tief entladen und wie oft geladen wird. Der andere ist die kalendarische Alterung, die auch ohne Nutzung abläuft und von Temperatur und Ladezustand abhängt. Beide addieren sich.
Deshalb ist ein fünf Jahre alter Akku mit 300 Ladezyklen oft schlechter dran als ein zwei Jahre alter mit 400. Das Baujahr der Zellen steht meist auf dem Gehäuse oder lässt sich über die Seriennummer ermitteln: beim Gebrauchtkauf eine nützliche Frage.
Richtig laden
Für den Alltag gilt: zwischen 20 und 80 Prozent bewegen, wenn es einfach geht, und nicht dauerhaft am Ladegerät hängen lassen. Vollständige Ladungen sind unproblematisch, wenn direkt danach gefahren wird: schädlich ist vor allem, tagelang bei 100 Prozent zu stehen.
Tiefentladung ist der einzige echte Schadensfall. Ein Akku, der über Monate leer liegt, kann unter die Abschaltspannung fallen und dann von der Elektronik gesperrt werden. Das ist in vielen Fällen irreversibel.
Richtig lagern
Über den Winter gehört der Akku bei etwa 60 Prozent Ladung an einen trockenen Ort mit 10 bis 20 Grad, also in die Wohnung, nicht in die Garage. Alle zwei bis drei Monate prüfen und bei Bedarf auf 60 Prozent nachladen. Frost schadet dem gelagerten Akku weniger als dem gefahrenen, aber Feuchtigkeit schadet immer.
Ein Akku, der am Rad im ungeheizten Keller überwintert, verliert nicht nur Kapazität, sondern sammelt Kondenswasser an den Kontakten. Grünspan an den Polen ist genau davon das sichtbare Ergebnis.
Wie schwer ein E-Bike ist, und woher das Gewicht kommt
Ein E-Bike wiegt zwischen 22 und 30 Kilogramm, ein vergleichbares Rad ohne Motor zwischen 13 und 17. Die Differenz verteilt sich auf drei Bauteile: der Akku bringt je nach Kapazität 2,5 bis 4,5 Kilogramm, der Motor 2,5 bis 4, und der verstärkte Rahmen samt kräftigeren Bremsen und Laufrädern noch einmal 2 bis 3.
| Radtyp | ohne Motor | mit Motor |
|---|---|---|
| City / Tiefeinsteiger | 15 – 18 kg | 24 – 30 kg |
| Trekking | 13 – 16 kg | 23 – 28 kg |
| Mountainbike Hardtail | 11 – 14 kg | 20 – 24 kg |
| Gravelbike | 8,5 – 11 kg | 14 – 18 kg |
| Lastenrad | 25 – 35 kg | 35 – 50 kg |
Praktisch relevant wird das Gewicht an drei Stellen: beim Tragen über eine Treppe, beim Verladen auf einen Heckträger (viele Träger sind auf 20 oder 25 Kilogramm pro Rad begrenzt) und beim Rangieren im Stand. Auf der Fahrt selbst spielt es kaum eine Rolle, weil der Motor es trägt; sobald der Akku leer ist, spürt man jedes Kilogramm.
Ein „leichtes" E-Bike unter 20 Kilogramm erkauft sich das über einen kleineren Akku, einen schwächeren Motor oder einen Carbonrahmen. Beim Gebrauchtkauf heißt das: Gewicht und Reichweite lassen sich nicht gleichzeitig maximieren, und wer beides im Inserat liest, sollte die Wattstunden nachrechnen.
Wann ein Austausch fällig ist
Unterhalb von rund 70 Prozent Restkapazität wird die Reichweite im Winter unzuverlässig, und unterhalb von 60 Prozent ist der Alltagsnutzen deutlich eingeschränkt. Ab diesem Punkt lohnt der Austausch, vorausgesetzt, es gibt für das System noch Originalakkus.
Vor dem Kauf eines älteren E-Bikes lohnt deshalb eine kurze Prüfung, ob der passende Akku überhaupt noch lieferbar ist. Bei Bosch, Shimano und Yamaha ist die Versorgung über viele Jahre gesichert; bei kleineren Anbietern und Eigenkonstruktionen ist das keineswegs selbstverständlich.
Häufige Fragen zum E-Bike-Akku
Wie weit komme ich mit 500 Wattstunden?
Realistisch sind 45 bis 80 Kilometer, abhängig von Unterstützungsstufe, Gewicht, Profil und Temperatur. In der höchsten Stufe mit Gepäck und Gegenwind können es 35 Kilometer sein, in der niedrigsten Stufe auf flacher Strecke über 100. Prospektangaben beziehen sich fast immer auf den günstigsten Fall.
Schadet es, den Akku immer voll zu laden?
Geringfügig. Was tatsächlich schadet, ist langes Stehen bei 100 Prozent Ladung, besonders bei Wärme. Wer nach dem Laden bald losfährt, muss sich keine Gedanken machen. Für die Lagerung über Wochen ist ein Ladestand um 60 Prozent deutlich besser.
Kann ich den Akku im Winter am Rad lassen?
Zum Fahren ja, zum Lagern nicht. Nimm ihn nach der Fahrt mit in die Wohnung, wenn das Rad draußen oder im kalten Keller steht. Kälte reduziert die verfügbare Kapazität vorübergehend und beschleunigt in Verbindung mit Feuchtigkeit die Alterung dauerhaft.
Wie erkenne ich einen defekten Akku?
An drei Zeichen: Die Reichweite bricht plötzlich ein, das Ladegerät meldet einen Fehler, oder das Gehäuse ist an einer Stelle aufgewölbt. Eine Aufwölbung ist ein Sicherheitsproblem; den Akku dann nicht mehr laden, sondern zu einer Sammelstelle bringen.
Lohnt sich ein Nachbau-Akku?
Er kostet oft nur die Hälfte, bringt aber drei Nachteile: Die Herstellergarantie am Rad kann erlöschen, die Kommunikation mit dem Diagnosesystem funktioniert nicht immer vollständig, und die Zellqualität ist schwer zu beurteilen. Bei einem Rad, das ohnehin am Ende seines Lebens steht, kann er trotzdem die wirtschaftlichere Lösung sein.
Wo entsorge ich einen alten E-Bike-Akku?
Nicht im Hausmüll und nicht im Wertstoffhof-Container für Kleinbatterien. Fahrradhändler nehmen Akkus zurück, ebenso kommunale Sammelstellen für Lithium-Akkus. Beschädigte oder aufgewölbte Akkus vorher ankündigen, weil sie gesondert transportiert werden müssen.