Einstellen · 01
Schaltung am Fahrrad einstellen: Anschläge, Zugspannung, B-Schraube
Neunzig Prozent aller Schaltprobleme sind kein Defekt, sondern eine verstellte Zugspannung. Wer die Reihenfolge kennt (erst Anschläge, dann Zug, dann B-Schraube), löst das in zehn Minuten mit einem Schraubendreher.
Zuletzt geprüft:
Eine Kettenschaltung hat drei unabhängige Einstellungen, und sie werden in einer festen Reihenfolge gemacht. Wer mittendrin anfängt, dreht im Kreis: Eine falsch gesetzte Anschlagschraube lässt sich nicht durch Zugspannung ausgleichen, und eine falsche Zugspannung nicht durch die B-Schraube.
Die Reihenfolge, die alles einfacher macht
- Schaltwerk mechanisch prüfen: sitzt das Schaltauge gerade? Ein verbogenes Schaltauge macht jede Einstellung zunichte.
- Anschlagschrauben H und L setzen: sie begrenzen den Weg nach außen und innen.
- Zugspannung justieren: sie bestimmt, ob jeder Gang sauber einrastet.
- B-Schraube einstellen: sie regelt den Abstand des oberen Schaltröllchens zur Kassette.
Anschlagschrauben H und L
Schalte auf das kleinste Ritzel. Von hinten betrachtet müssen Schaltröllchen und Ritzel in einer Linie stehen. Korrigiere das über die mit H beschriftete Schraube: im Uhrzeigersinn wandert das Schaltwerk nach innen.
Dann auf das größte Ritzel schalten und dasselbe mit der L-Schraube machen. Wichtig: Die Kette darf über das große Ritzel hinaus nicht in die Speichen laufen können. Lieber einen Hauch zu eng als zu weit; ein Kettenabwurf nach innen zerstört im schlimmsten Fall das Schaltwerk.
Zugspannung: der eigentliche Hebel
Die Zugspannung wird an der Rändelschraube am Schaltwerk oder am Schalthebel eingestellt. Schalte auf das zweitkleinste Ritzel und dann einen Gang hoch. Springt die Kette nicht sauber, dreh die Rändelschraube eine Viertelumdrehung gegen den Uhrzeigersinn; das erhöht die Spannung. Springt sie zu weit, eine Viertelumdrehung in die andere Richtung.
Arbeite immer in Vierteldrehungen und teste nach jeder. Wenn du am Ende in beide Richtungen sauber durch die ganze Kassette schaltest, ist die Spannung richtig. Ein neuer Zug längt sich in den ersten Kilometern: nach etwa 100 Kilometern lohnt eine Nachjustage.
Die B-Schraube
Die B-Schraube sitzt dort, wo das Schaltwerk am Schaltauge anliegt, und stellt den Abstand zwischen dem oberen Schaltröllchen und der Kassette ein. Auf dem größten Ritzel sollten fünf bis acht Millimeter Luft bleiben. Zu wenig Abstand führt zu einem rauen, klackernden Lauf auf den großen Ritzeln; zu viel macht das Schalten träge.
Nabenschaltung: eine Markierung statt drei Einstellungen
Bei Shimano-Nabenschaltungen wird nur eine Sache eingestellt: Im vierten Gang bei einer Achtgangnabe müssen zwei gelbe Markierungen im Sichtfenster übereinanderstehen. Korrigiert wird über die Rändelschraube am Schalthebel. Das war die gesamte Justage.
Rohloff-Naben brauchen keine Justage, dafür alle 5.000 Kilometer einen Ölwechsel. Enviolo-Getriebenaben werden über eine Markierung am Griff eingestellt, ähnlich einfach wie bei Shimano.
Die häufigsten Fehlerbilder
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Schaltet nur in eine Richtung sauber | Zugspannung falsch | Rändelschraube in Vierteldrehungen |
| Kette springt unter Last | Kette und Kassette verschlissen | beides zusammen tauschen |
| Rasseln auf dem größten Ritzel | B-Schraube zu eng | Abstand auf 5 – 8 mm erhöhen |
| Kette fällt nach innen ab | L-Anschlag zu weit | L-Schraube hineindrehen |
| Schaltet plötzlich gar nicht mehr | Zug gerissen oder Schaltauge verbogen | sichtprüfen, Teil ersetzen |
| Schaltung wandert nach dem Fahren | Zug längt sich, neu verlegt | nach 100 km nachstellen |
Häufige Fragen zur Schaltung
Wie stelle ich meine Gangschaltung selbst ein?
In vier Schritten: Schaltauge auf Geradheit prüfen, Anschlagschrauben H und L setzen, Zugspannung an der Rändelschraube in Vierteldrehungen justieren und zuletzt die B-Schraube auf fünf bis acht Millimeter Abstand einstellen. Werkzeug braucht es dafür kaum: ein Kreuzschlitz-Schraubendreher und gegebenenfalls ein Inbusschlüssel.
Warum springt meine Kette beim Treten?
Wenn die Kette unter Last überspringt und die Schaltung sauber eingestellt ist, sind Kette und Kassette verschlissen. Eine gelängte Kette hat die Ritzelzähne mitgenommen, sodass eine neue Kette allein das Problem nicht löst: beides muss zusammen ersetzt werden.
Was macht die B-Schraube genau?
Sie stellt den Abstand des oberen Schaltröllchens zur Kassette ein, indem sie das Schaltwerk am Schaltauge abstützt. Ein zu geringer Abstand führt zu Rasseln auf großen Ritzeln, ein zu großer zu trägem Schalten. Fünf bis acht Millimeter auf dem größten Ritzel sind der übliche Zielwert.
Wie oft muss eine Schaltung nachgestellt werden?
Bei einem eingefahrenen Zug selten, meist erst, wenn der Zug altert oder Schmutz in die Hülle kommt. Nach einem neuen Zug ist eine Nachjustage nach etwa 100 Kilometern normal. Wer das Rad transportiert oder umlegt, sollte danach kurz durchschalten.
Was kostet die Einstellung in der Werkstatt?
Eine reine Schaltungseinstellung liegt bei 15 bis 30 Euro. Kommt ein neuer Zug samt Hülle dazu, sind es 30 bis 55 Euro. Ist das Schaltauge verbogen, kommen 15 bis 40 Euro für das Teil hinzu. In allen drei Fällen dauert die Arbeit selten länger als eine halbe Stunde.
Braucht eine Nabenschaltung Wartung?
Weniger als eine Kettenschaltung, aber nicht gar keine. Shimano-Naben brauchen alle paar Jahre eine Reinigung und Schmierung, Rohloff einen Ölwechsel alle 5.000 Kilometer. Dafür entfällt die Justage fast vollständig, und die Mechanik ist gegen Schmutz und Nässe geschützt.