Einstellen · 03

Reifendruck am Fahrrad: Tabelle nach Breite und Systemgewicht

Der Reifendruck ist die billigste und wirksamste Einstellung am ganzen Rad. Er bestimmt Komfort, Rollwiderstand, Grip und Pannenrisiko gleichzeitig, und die meisten Räder fahren mit deutlich zu viel Luft.

Zuletzt geprüft:

Eine Standpumpe aus Stahl mit großem analogem Manometer steht neben einem Laufrad
Eine Standpumpe mit Manometer ist das einzige Werkzeug, mit dem sich Druck reproduzierbar einstellen lässt.

Der richtige Reifendruck hängt an zwei Größen: der Reifenbreite und dem Gesamtgewicht, das auf den Reifen lastet. Alles andere (Untergrund, Wetter, Fahrstil) verschiebt den Wert um wenige Zehntel bar. Auf der Reifenflanke steht ein zulässiger Bereich; das ist eine Grenze, keine Empfehlung.

Reifendruck-Tabelle nach Breite

Die Werte gelten für ein Systemgewicht von rund 85 Kilogramm aus Fahrer, Rad und Gepäck, verteilt auf 40 Prozent vorn und 60 Prozent hinten.

Richtwerte für den Reifendruck in bar
ReifenbreiteVorderradHinterrad
25 mm (Rennrad)6,0 bar6,5 bar
32 mm4,5 bar5,0 bar
37 mm (Trekking)3,8 bar4,3 bar
42 mm (Gravel)3,0 bar3,4 bar
47 mm (Alltag)2,6 bar3,0 bar
55 mm (MTB, Straße)2,0 bar2,3 bar
60 mm (MTB, Gelände)1,6 bar1,9 bar

Rechner

Reifendruck nach Breite und Systemgewicht

Gerechnet auf derselben Grundlage wie die Tabelle oben. Maßgeblich bleibt in jedem Fall der zulässige Bereich auf der Reifenflanke.

Das Systemgewicht einrechnen

Für je zehn Kilogramm über oder unter 85 Kilogramm Systemgewicht verschiebt sich der Wert um etwa 0,3 bar bei schmalen und 0,15 bar bei breiten Reifen. Wer mit Gepäck fährt, rechnet das Gepäck mit: vier volle Packtaschen wiegen schnell 20 Kilogramm und gehören eindeutig ins Systemgewicht.

85 kgSystemgewicht, auf das die Tabelle gerechnet ist
40/60Gewichtsverteilung vorn zu hinten
0,1 barDruckverlust pro Woche, typisch
15 %Reifeneinsinken als Zielwert

Was zu viel Druck bewirkt

Ein zu harter Reifen rollt auf glattem Asphalt minimal leichter und auf jedem anderen Untergrund schlechter, weil er über Unebenheiten springt statt sie zu schlucken. Jeder Sprung kostet Vortrieb. Dazu kommt weniger Grip, weil die Aufstandsfläche kleiner ist, und ein deutlich härteres Fahrgefühl.

Der verbreitete Reflex, bis zum Maximaldruck aufzupumpen, stammt aus einer Zeit schmaler Reifen und schlechter Karkassen. Bei modernen Reifen ab 35 Millimetern Breite ist er in fast allen Fällen falsch.

Was zu wenig Druck bewirkt

Zu wenig Druck bedeutet Durchschläge bis auf die Felge, Beschädigungen an der Karkasse und ein schwammiges Lenkverhalten. Bei Schlauchreifen ist der Snakebite die typische Folge: zwei parallele Löcher, dort wo der Schlauch zwischen Felgenhorn und Hindernis eingeklemmt wurde.

Ein einfacher Test ohne Manometer: Setz dich aufs Rad und lass jemanden von der Seite schauen. Der Reifen sollte um etwa 15 Prozent seiner Höhe einsinken. Sinkt er sichtbar mehr ein, ist zu wenig Luft drin.

Das Zifferblatt eines analogen Manometers schräg fotografiert, die Nadel sichtbar
Ein Manometer mit großer Skala liest sich genauer als ein kleines an der Minipumpe.

Wie oft nachpumpen

Jeder Fahrradschlauch verliert Luft, weil Butyl gasdurchlässig ist. Schmale Reifen mit hohem Druck verlieren relativ mehr: ein Rennradreifen bis zu 1 bar pro Woche, ein breiter Alltagsreifen etwa 0,1 bis 0,2 bar. Latexschläuche verlieren deutlich mehr, Tubeless-Systeme am wenigsten.

Prüfintervall nach Reifentyp
ReifentypPrüfen alle
Rennrad, 25 mmvor jeder Fahrt
Gravel, 40 mmalle 1 – 2 Wochen
Trekking, 37 – 47 mmalle 2 – 4 Wochen
MTB, tubelessalle 2 Wochen
Lastenradalle 2 Wochen, wegen Zuladung

Sonderfälle

  • E-Bike: Motor und Akku bringen 6 bis 9 Kilogramm zusätzlich. Rechne sie ins Systemgewicht ein, das ergibt meist 0,2 bis 0,3 bar mehr.
  • Lastenrad: Zuladung schwankt stark. Stell den Druck auf den beladenen Zustand ein, nicht auf den leeren.
  • Tubeless: 0,3 bis 0,5 bar weniger als mit Schlauch, weil Durchschläge nicht zum Snakebite führen.
  • Nässe und Schnee: 0,2 bar weniger für mehr Aufstandsfläche und Grip.
  • Anhänger: das Gewicht der Deichsel lastet auf dem Hinterrad und gehört ins Systemgewicht.

Häufige Fragen zum Reifendruck

Welcher Reifendruck ist bei einem Trekkingrad richtig?

Bei 37 Millimeter breiten Reifen und rund 85 Kilogramm Systemgewicht sind 3,8 bar vorn und 4,3 bar hinten ein guter Ausgangspunkt. Bei 47 Millimetern sind es 2,6 und 3,0 bar. Für je zehn Kilogramm mehr Gewicht kommen etwa 0,15 bis 0,3 bar dazu, abhängig von der Breite.

Was steht auf der Reifenflanke?

Der zulässige Druckbereich in bar und psi, meist als Spanne wie "3,0 – 5,0 bar". Das ist eine technische Grenze, keine Empfehlung: Der obere Wert darf nicht überschritten werden, der untere nicht dauerhaft unterschritten. Der sinnvolle Fahrdruck liegt fast immer im unteren Drittel dieser Spanne.

Wie oft muss ich Luft nachfüllen?

Schmale Reifen mit hohem Druck vor jeder längeren Fahrt, breite Alltagsreifen alle zwei bis vier Wochen. Jeder Butylschlauch verliert langsam Luft; das ist kein Defekt, sondern Physik. Wer einmal im Monat prüft, fährt praktisch immer im richtigen Bereich.

Rollt ein härterer Reifen wirklich leichter?

Nur auf ideal glattem Untergrund. Auf realem Asphalt mit Rissen, Flickstellen und Schotterresten steigt der Rollwiderstand ab einem bestimmten Druck wieder an, weil der Reifen springt statt zu federn. Dieser Umkehrpunkt liegt bei den meisten Alltagsreifen deutlich unter dem Maximaldruck.

Was ist ein Snakebite?

Ein Durchschlag mit zwei parallelen Löchern im Schlauch, entstanden dadurch, dass der Schlauch zwischen Felgenhorn und einem Hindernis eingeklemmt wurde. Ursache ist fast immer zu wenig Druck. Bei Tubeless-Systemen kann das nicht passieren, weil kein Schlauch vorhanden ist.

Kann ich an der Tankstelle aufpumpen?

An einem Autoventil ja, an einem Dunlopventil ebenfalls. Bei Sclaverandventilen braucht es einen Adapter. Vorsicht beim Druck: Autopumpen fördern schnell und in groben Schritten, sodass ein schmaler Fahrradreifen leicht über seinen Maximaldruck kommt.