Das alte Rad · 03

Das richtige Fahrradschloss: Bauarten, Sicherheitsstufen, Anschließen

Kein Schloss ist unknackbar, jedes kauft nur Zeit. Entscheidend ist, wie viel Zeit, mit welchem Werkzeug und ob das Rad überhaupt so angeschlossen ist, dass das Schloss seine Arbeit tun kann.

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Drei gebrauchte Fahrradschlösser (Kette, Bügelschloss und Faltschloss) liegen zusammengerollt auf einer Werkbank
Drei Bauarten, drei Kompromisse zwischen Gewicht, Handhabung und Widerstandszeit.

Ein Fahrradschloss verhindert keinen Diebstahl, es verzögert ihn. Diebe arbeiten mit Bolzenschneider, Akkuflex oder Hebelwerkzeug, und jede Bauart hält davon unterschiedlich lange stand. Ein gutes Schloss ist eines, dessen Widerstandszeit länger ist als die Geduld an diesem Abstellort.

Die Bauarten im Vergleich

Schlossarten und ihre Eigenschaften
BauartGewichtWiderstandHandhabung
Bügelschloss1,0 – 1,8 kgsehr hochstarr, begrenzte Reichweite
Faltschloss0,9 – 1,7 kghochkompakt, flexibel
Kettenschloss1,5 – 3,0 kghoch bis sehr hochschwer, sehr flexibel
Rahmenschloss0,7 – 1,0 kggering alleinsehr bequem, blockiert nur das Rad
Kabelschloss0,3 – 0,8 kgsehr geringleicht, nur als Zweitsicherung

Kabelschlösser sind mit einem kleinen Bolzenschneider in Sekunden durchtrennt. Sie taugen als Zusatzsicherung für den Helm oder das Vorderrad, niemals als einziges Schloss. Rahmenschlösser blockieren das Hinterrad, verhindern aber nicht, dass ein Rad weggetragen wird: sinnvoll nur in Kombination mit einer Einsteckkette.

Wie viel Geld ein Schloss kosten sollte

Eine verbreitete Faustregel setzt zehn Prozent des Radwerts an. Bei einem 400-Euro-Rad sind das 40 Euro, bei einem 3.000-Euro-E-Bike 300 Euro; was in der Praxis meist zwei Schlösser bedeutet. Sinnvoller als der Prozentsatz ist eine absolute Untergrenze: Unter 40 Euro ist kaum ein Schloss zu bekommen, das einem Bolzenschneider ernsthaft widersteht.

10 %des Radwerts als Richtwert fürs Schloss
40 €realistische Untergrenze
2Schlösser sind besser als eines
15 sWiderstandszeit eines Kabelschlosses

Richtig anschließen

Die häufigste Ursache für einen Diebstahl ist nicht das Schloss, sondern wie es benutzt wurde. Drei Regeln entscheiden:

  1. An einen festen Gegenstand: der Fahrradständer muss im Boden verankert sein. Ein Rad, das nur in sich verschlossen ist, wird getragen.
  2. Durch den Rahmen, nicht nur durchs Rad: ein Schloss durch das Vorderrad allein lässt den Dieb mit dem Rest davonfahren.
  3. Möglichst hoch und ohne Bodenkontakt: am Boden lässt sich ein Bügel mit einem Wagenheber oder durch Aufhebeln knacken.

Bei zwei Schlössern ist die beste Kombination ein Bügelschloss durch Hinterrad und Rahmen sowie ein Faltschloss oder eine Kette durch Vorderrad und Ständer. Unterschiedliche Bauarten zwingen den Dieb, zwei verschiedene Werkzeuge mitzubringen.

Zwei Schlösser unterschiedlicher Bauart sind wirksamer als ein sehr teures, weil sie den Dieb zwingen, zwei verschiedene Werkzeuge mitzubringen. Die übliche Kombination ist ein Bügelschloss durch Hinterrad und Rahmen plus eine Kette oder ein Faltschloss durch Vorderrad und Ständer.

Halte das Schloss vom Boden fern. Am Boden lässt sich ein Bügel gegen die Kante hebeln oder mit einem Wagenheber sprengen; in Hüfthöhe fehlt dem Dieb das Widerlager.

Ein Fahrrad ist mit einem schweren Kettenschloss durch Rahmen und Hinterrad an einen Stahlständer angeschlossen
Durch Rahmen und Hinterrad an einen verankerten Ständer: so sitzt das Schloss dort, wo es wirkt.

Der Abstellort zählt mehr als die Bauart

Ein Rad an einer belebten Straße mit Sichtachsen ist besser geschützt als eines in einem verwinkelten Hinterhof, unabhängig vom Schloss. Diebe arbeiten ungern beobachtet. Ebenfalls relevant: die Abstelldauer. Ein Rad, das zehn Stunden am Bahnhof steht, ist ein anderes Risiko als eines, das zwanzig Minuten vor dem Bäcker steht.

Für den langfristigen Abstellplatz zu Hause gilt: abgeschlossener Keller oder Garage schlägt jedes Schloss. Wo das nicht geht, hilft ein fest im Boden oder in der Wand verankerter Anker, an den das Rad angeschlossen wird.

Was die Versicherung verlangt

Hausratversicherungen decken Fahrraddiebstahl meist nur mit einer Zusatzvereinbarung ab und häufig nur, wenn das Rad in einem verschlossenen Raum stand. Für Diebstahl im Freien braucht es in der Regel eine separate Fahrradversicherung. Viele Policen schreiben eine Mindestsicherheitsstufe des Schlosses vor und verlangen den Kaufbeleg des Schlosses im Schadensfall.

Fast alle Versicherer verlangen außerdem die Rahmennummer und den Kaufbeleg des Rades. Wer beides nicht hat, bekommt im Schadensfall Schwierigkeiten, unabhängig davon, wie gut das Schloss war.

Häufige Fragen zu Fahrradschlössern

Welches Fahrradschloss ist am sichersten?

Ein hochwertiges Bügelschloss bietet bei gleichem Gewicht den höchsten Widerstand, weil es kaum Angriffsfläche für Hebelwerkzeug bietet. Schwere Kettenschlösser kommen nahe heran und sind flexibler im Einsatz. Faltschlösser sind der beste Kompromiss aus Sicherheit und Handhabung, kosten aber etwas Widerstandszeit.

Wie viel sollte ein Fahrradschloss kosten?

Als Richtwert etwa zehn Prozent des Radwerts, mindestens aber 40 Euro. Darunter gibt es kaum ein Schloss, das einem mittelgroßen Bolzenschneider mehr als Sekunden standhält. Bei teuren Rädern und E-Bikes sind zwei Schlösser unterschiedlicher Bauart sinnvoller als ein sehr teures.

Reicht ein Rahmenschloss aus?

Nein, allein nicht. Es blockiert das Hinterrad und verhindert das Wegfahren, aber nicht das Wegtragen oder Verladen. Sinnvoll wird es mit einer Einsteckkette, mit der sich das Rad zusätzlich an einem festen Gegenstand sichern lässt; dann ist es eine sehr bequeme und brauchbare Lösung.

Wie schließe ich mein Fahrrad richtig an?

Durch den Rahmen und möglichst durch das Hinterrad an einen fest im Boden verankerten Gegenstand, das Schloss möglichst hoch und ohne Bodenkontakt. Ein Schloss nur durch das Vorderrad ist praktisch wirkungslos, weil das Vorderrad in Sekunden ausgebaut ist.

Ersetzt ein GPS-Tracker das Schloss?

Nein, er ergänzt es. Ein Tracker verhindert keinen Diebstahl, kann aber bei der Wiederbeschaffung helfen. Wichtig: Bei einem Fund nie selbst eingreifen, sondern die Polizei einschalten. Manche Versicherer honorieren einen verbauten Tracker mit einem Beitragsnachlass.

Was zahlt die Versicherung bei Fahrraddiebstahl?

In der Regel den Zeitwert oder, bei besseren Tarifen, den Neuwert innerhalb der ersten Jahre. Vorausgesetzt werden fast immer die Rahmennummer, der Kaufbeleg des Rades, eine polizeiliche Anzeige und häufig der Nachweis eines Schlosses der vereinbarten Sicherheitsstufe.