Technik · 04
Scheibenbremse oder Felgenbremse: welche Bremse wohin gehört
Die Scheibenbremse hat die Felgenbremse fast überall verdrängt, und das aus einem einzigen guten Grund: Sie bremst bei Nässe genauso wie bei Trockenheit. Am Gebrauchtmarkt begegnen dir trotzdem beide, mit sehr unterschiedlichen Folgekosten.
Zuletzt geprüft:
Eine Felgenbremse drückt zwei Beläge gegen die Flanke der Felge. Eine Scheibenbremse drückt zwei Beläge gegen eine separate Stahlscheibe an der Nabe. Daraus folgt fast alles Weitere: wie die Bremse bei Nässe arbeitet, was verschleißt und was ein Defekt kostet.
Die beiden Bauarten im Vergleich
| Kriterium | Felgenbremse | Scheibenbremse |
|---|---|---|
| Bremskraft trocken | gut | sehr gut |
| Bremskraft nass | deutlich schlechter | unverändert |
| Dosierbarkeit | mäßig | sehr gut |
| Verschleißteil | Belag und Felge | Belag und Scheibe |
| Belagwechsel | einfach, günstig | einfach, etwas teurer |
| Gewicht | leichter | etwas schwerer |
| Laufradwechsel | unkompliziert | Ausrichtung beachten |
| Kosten bei Totalschaden | neue Felge | neue Scheibe |
Der entscheidende Unterschied liegt im Nassen
Eine nasse Felge braucht eine halbe bis eine ganze Radumdrehung, bis der Belag das Wasser abgestreift hat und die Bremse greift. Bei 20 Stundenkilometern sind das mehrere Meter, in denen praktisch nichts passiert. Eine Scheibenbremse hat diesen Effekt kaum, weil die Scheibe kleiner, glatter und schneller trocken ist.
Für ein Rad, das nur bei schönem Wetter bewegt wird, ist das nachrangig. Für ein Alltagsrad, ein Pendlerrad oder jedes E-Bike ist es das stärkste Argument überhaupt: zumal ein E-Bike durch sein Mehrgewicht ohnehin mehr Bremsleistung braucht.
Was verschleißt und was das kostet
Bei der Felgenbremse verschleißt nicht nur der Belag, sondern die Felge selbst. Sie hat dafür eine Verschleißanzeige: eine eingefräste Rille oder eine Bohrung. Ist sie verschwunden, ist die Felge verbraucht und muss ersetzt werden; ein Laufradneuaufbau kostet 90 bis 260 Euro, deutlich mehr als jeder Belagwechsel.
Bei der Scheibenbremse verschleißt die Scheibe ebenfalls, aber langsamer und billiger. Neue Scheiben liegen bei 20 bis 50 Euro pro Stück. Die Mindestdicke steht auf der Scheibe eingeprägt, üblich sind 1,5 Millimeter; darunter gehört sie getauscht.
Eine Bremsscheibe verschleißt langsam, aber sie verschleißt. Miss die Dicke im Bereich der Bremsspur mit einem Messschieber und vergleiche sie mit dem eingeprägten Mindestmaß, üblicherweise 1,5 Millimeter.
Eine glänzend polierte Spur ohne Struktur deutet auf verglaste Beläge hin; das kostet Bremskraft und lässt sich meist durch neue Beläge und leichtes Anschleifen der Scheibe beheben.
Hydraulisch oder mechanisch
Scheibenbremsen gibt es in beiden Varianten. Hydraulische Bremsen übertragen die Kraft über Öl, brauchen weniger Handkraft, dosieren feiner und stellen sich bei Belagverschleiß selbst nach. Mechanische Scheibenbremsen ziehen über einen Bowdenzug, sind günstiger, unterwegs leichter zu reparieren und brauchen kein Entlüften.
Für den Alltag ist hydraulisch die bessere Wahl, solange ein Service erreichbar ist. Für Reiseräder in abgelegenen Regionen spricht einiges für mechanisch, weil sich ein gerissener Zug überall ersetzen lässt, ein geplatzter Hydraulikschlauch dagegen nicht.
Am Gebrauchtrad prüfen
- Belagstärke: unter einem Millimeter Reibmaterial ist Ersatz fällig; bei Scheibenbremsen mit einer Taschenlampe durch den Sattel schauen.
- Scheibendicke: mit dem Messschieber prüfen, Mindestmaß steht eingeprägt.
- Felgenflanke: bei Felgenbremsen die Verschleißrille suchen; ist sie weg, ist das Laufrad fällig.
- Hebelweg: zieht der Hebel bis an den Lenker, ist Luft im System oder der Belag am Ende.
- Schleifen: Laufrad drehen und hinhören; dauerhaftes Schleifen bedeutet verzogene Scheibe oder falsch ausgerichteten Sattel.
- Ölspuren: feuchte Stellen am Sattel oder am Schlauch bedeuten eine undichte Leitung und einen fälligen Service.
Ein häufiger Irrtum: Ein leicht verzogener Bremsscheibenrand ist kein Defekt, sondern lässt sich mit einem Richtwerkzeug in wenigen Minuten korrigieren. Eine ausgehöhlte Felgenflanke dagegen ist irreparabel, und der einzige Bremsbefund, der ein Angebot wirklich teuer macht.
Häufige Fragen zu Fahrradbremsen
Sind Scheibenbremsen immer besser?
Bei Nässe und bei schweren Rädern eindeutig ja. Bei einem leichten Rennrad, das nur bei gutem Wetter gefahren wird, ist der Vorteil kleiner und das Mehrgewicht spürbar. Für Alltagsräder, Trekkingräder und alle E-Bikes gibt es praktisch kein Argument mehr für die Felgenbremse.
Wie erkenne ich, dass die Bremsbeläge fällig sind?
An der Reibmaterialstärke. Bei Scheibenbremsen sollte mindestens ein Millimeter Belag über der Trägerplatte stehen, mit einer Taschenlampe durch den Bremssattel gut zu sehen. Bei Felgenbremsen sind die Rillen im Belag der Indikator: Sind sie verschwunden, ist der Belag durch.
Muss man hydraulische Bremsen regelmäßig entlüften?
Nicht nach Kilometern, sondern nach Bedarf. Solange der Druckpunkt fest ist und der Hebel nicht wandert, ist alles in Ordnung. Bremsflüssigkeit auf Mineralölbasis, wie sie Shimano verwendet, ist unempfindlich; DOT-Flüssigkeit zieht Wasser und sollte alle ein bis zwei Jahre erneuert werden.
Kann ich von Felgen- auf Scheibenbremse umrüsten?
Nur wenn Rahmen und Gabel Bremsaufnahmen haben und die Naben für Bremsscheiben ausgelegt sind. Fehlt eines davon, ist die Umrüstung nicht möglich. Aufnahmen nachträglich anzuschweißen ist bei Aluminium und Carbon ausgeschlossen. Prüfe das vor dem Kauf, nicht danach.
Warum schleift meine Scheibenbremse?
Meist sitzt der Bremssattel minimal schief oder die Scheibe hat einen leichten Schlag. Beides ist in wenigen Minuten korrigiert: Sattelschrauben lösen, Bremse ziehen, Schrauben wieder anziehen; dann zentriert sich der Sattel selbst. Bleibt das Schleifen, wird die Scheibe mit einem Richtwerkzeug gerichtet.
Was kostet ein kompletter Bremsenservice?
Beläge vorn und hinten wechseln kostet mit Material 50 bis 90 Euro. Kommt Entlüften dazu, sind es 90 bis 140 Euro. Neue Scheiben schlagen mit 20 bis 50 Euro pro Stück zu Buche. Ein kompletter Satz neuer hydraulischer Bremsen liegt je nach Klasse zwischen 150 und 400 Euro.