Größen & Maße · 03

Fahrradreifen-Größen lesen: ETRTO, Zoll und die passende Breite

Auf jeder Reifenflanke stehen zwei bis drei Angaben für dieselbe Sache, und nur eine davon ist eindeutig. Wer die ETRTO-Zahl liest, kauft nie wieder den falschen Reifen, und weiß außerdem, wie breit er überhaupt gehen kann.

Zuletzt geprüft:

Ein Stapel gebrauchter, gefalteter Fahrradreifen auf einer dunklen Werkbank
Die Angaben stehen geprägt auf der Flanke. Bei stark gefahrenen Reifen sind sie oft nur noch zu ertasten.

Ein Fahrradreifen trägt seine Größe in bis zu drei Systemen gleichzeitig: als ETRTO-Angabe, als Zollangabe und manchmal zusätzlich in französischer Notation. Sie beschreiben dasselbe Rad, sind aber unterschiedlich präzise. Für den Kauf zählt nur eine davon.

Die Angaben auf der Flanke lesen

Dieselbe Reifengröße in drei Systemen
SystemBeispielBedeutung
ETRTO37-62237 mm breit, 622 mm Felgendurchmesser
Zoll28 × 1,40ca. 28 Zoll Außendurchmesser, 1,40 Zoll breit
Französisch700 × 37C700 mm Nenndurchmesser, 37 mm breit

Die ETRTO-Angabe ist die einzige, die eindeutig ist. Zollangaben runden und variieren zwischen Herstellern – 559, 571 und 590 mm laufen alle als „26 Zoll" (Schwalbe, Größenbezeichnung bei Fahrradreifen); die französische Notation stammt aus einer Zeit, in der der Buchstabe am Ende die Felgenbreite kodierte. Wer 37-622 kauft, bekommt garantiert einen passenden Reifen.

Neben der Größe steht auf der Flanke fast immer der zulässige Druckbereich in bar und psi. Diese Angabe ist keine Empfehlung, sondern eine Grenze: Der obere Wert darf nicht überschritten werden, der untere nicht dauerhaft unterschritten, weil sonst die Karkasse leidet.

Bei sehr alten Reifen lohnt der Blick auf feine Risse in der Flanke. Gummi altert auch ungefahren; ein Reifen mit Rissnetz ist unabhängig vom Profil fällig.

Nahaufnahme der geprägten Seitenwand eines gebrauchten Fahrradreifens im Streiflicht
Streiflicht macht die Prägung lesbar, wenn die Aufschrift verblasst ist.

Übliche Reifenbreiten nach Einsatz

Reifenbreiten und wofür sie gedacht sind
BreiteETRTOTypischer Einsatz
23 – 25 mm23-622 / 25-622Rennrad, Asphalt
28 – 32 mm28-622 / 32-622Rennrad Endurance, schneller Alltag
35 – 42 mm37-622 / 40-622Trekking, Gravel, Pendeln
47 – 55 mm47-622 / 55-622Alltag mit Komfort, leichtes Gelände
57 – 62 mm57-584 / 62-622Mountainbike

Der Trend geht seit Jahren zu breiteren Reifen mit niedrigerem Druck, weil sie bei gleichem Rollwiderstand deutlich mehr Komfort und Pannenschutz bieten. Für den Alltag sind 40 bis 47 Millimeter heute eine sinnvolle Wahl, wo früher 32 Millimeter Standard waren.

Welche Breite auf welche Felge passt

Die Felgenmaulweite, also der Innenabstand zwischen den Felgenhörnern, begrenzt die sinnvolle Reifenbreite nach oben und unten. Als Faustregel liegt die Reifenbreite zwischen dem 1,4-Fachen und dem 2,4-Fachen der Maulweite.

Felgenmaulweite und sinnvolle Reifenbreite
MaulweiteSinnvolle Reifenbreite
15 mm23 – 36 mm
17 mm25 – 40 mm
19 mm28 – 46 mm
21 mm32 – 50 mm
25 mm40 – 60 mm
30 mm50 – 72 mm

Freiraum im Rahmen prüfen

Bevor du breiter kaufst, prüf den Platz. Zwischen Reifen und Rahmen, Gabel oder Schutzblech sollten rundum mindestens vier Millimeter bleiben, besser sechs. Weniger reicht im Trockenen, führt aber bei nassem Laub oder Schnee dazu, dass sich das Rad zusetzt und blockiert.

Die engsten Stellen sind fast immer die Kettenstrebenbrücke und der Bogen des Schutzblechs über dem Hinterrad. Miss dort, nicht an der breitesten Stelle der Gabel.

Was ein breiterer Reifen praktisch bringt

Wenn der Freiraum stimmt, ist ein breiterer Reifen eine der wenigen Änderungen, die fast alle Eigenschaften in dieselbe Richtung verschieben. Sie kostet einen Reifensatz, verlangt kein Werkzeug über Reifenheber hinaus und lässt sich jederzeit rückgängig machen. Nur ein Punkt spricht dagegen.

  • Weniger Luftdruck: bei gleicher Tragfähigkeit, das federt Unebenheiten weg.
  • Weniger Durchschläge: der Reifen schlägt seltener bis zur Felge durch.
  • Mehr Grip: größere Aufstandsfläche, besonders bei Nässe.
  • Kaum mehr Rollwiderstand: bei angepasstem Druck praktisch messbar gleich.
  • Etwas mehr Gewicht: der einzige echte Nachteil, meist unter 200 Gramm pro Reifen.

Häufige Fragen zu Reifengrößen

Was bedeutet 37-622 auf dem Reifen?

Die erste Zahl ist die Reifenbreite in Millimetern, die zweite der Felgendurchmesser in Millimetern. 37-622 ist also ein 37 Millimeter breiter Reifen für eine 622er Felge, umgangssprachlich ein 28-Zoll-Trekkingreifen. Diese Angabe ist eindeutig und die einzige, nach der du kaufen solltest.

Kann ich einen breiteren Reifen aufziehen?

Wenn Felgenmaulweite und Rahmenfreiraum es zulassen, ja, und meistens ist es eine Verbesserung. Prüfe vorher an der engsten Stelle, ob rundum mindestens vier Millimeter Luft bleiben, und achte darauf, dass die Breite zur Maulweite passt. Bei Rädern mit Schutzblechen ist dessen Bogen fast immer der Engpass.

Muss ich beim Reifenwechsel auch den Schlauch tauschen?

Nicht zwingend, aber der Schlauch muss zur neuen Breite passen. Schläuche decken einen Bereich ab, etwa 28 bis 47 Millimeter. Liegt die neue Reifenbreite außerhalb, gehört ein neuer Schlauch dazu; ein zu stark gedehnter Schlauch reißt früher, ein zu großer legt Falten und scheuert durch.

Was ist der Unterschied zwischen Draht- und Faltreifen?

Der Wulstkern. Drahtreifen haben einen Stahldraht, sind günstiger, schwerer und behalten ihre Form. Faltreifen nutzen Kevlar, sparen rund 100 Gramm pro Reifen und lassen sich zusammenlegen, was sie als Ersatzreifen auf Tour praktisch macht. Auf die Größenangabe hat das keinen Einfluss.

Wie erkenne ich, dass ein Reifen ersetzt werden muss?

An drei Zeichen: Das Profil ist bis zur Karkasse abgefahren oder die Verschleißanzeige verschwunden, die Flanke zeigt ein Netz feiner Risse, oder es sind Schnitte sichtbar, die tiefer als die Gummischicht gehen. Alter allein ist ein weiteres Kriterium: Über sechs Jahre alte Reifen härten aus und verlieren Grip, auch mit vollem Profil.

Sind teure Reifen den Aufpreis wert?

Bei Reifen ist der Zusammenhang zwischen Preis und Nutzen ungewöhnlich direkt. Ein Reifen mit Pannenschutzeinlage kostet 15 bis 25 Euro mehr als ein Standardmodell und verhindert im Alltag den Großteil der Durchstiche. Gemessen an einer einzigen Panne unterwegs rechnet sich das schnell.