Kaufberatung · Einstieg

Welches Fahrrad passt zu mir? In fünf Fragen zum richtigen Radtyp

Die Frage nach dem richtigen Rad wird fast immer von hinten beantwortet, über Ausstattung, Marke und Preis. Sinnvoll ist die andere Richtung: erst der Weg, den du tatsächlich fährst, dann die Bauart, und ganz zuletzt das konkrete Angebot.

Zuletzt geprüft:

Sechs verschiedene gebrauchte Fahrräder stehen aufgereiht an einer langen Betonwand
Sechs Bauarten, sechs verschiedene Antworten auf dieselbe Frage, und nur eine davon passt zu deinem Weg.

Wer sich fragt, welches Fahrrad passt zu mir, bekommt meist eine Antwort über Ausstattungslisten. Das ist die falsche Reihenfolge. Ein Rad wird nicht dadurch passend, dass es gut ausgestattet ist, sondern dadurch, dass seine Bauart zu dem Weg passt, den du tatsächlich jede Woche fährst, nicht zu dem, den du dir für den Sommer vornimmst.

Die folgenden fünf Fragen grenzen das in wenigen Minuten ein. Sie führen zu einer Bauart, nicht zu einem Modell. Welches konkrete Rad es dann wird, entscheidet sich über Rahmengröße, Zustand und Preis, und dafür gibt es eigene Seiten.

Die fünf Fragen, die den Radtyp bestimmen

  1. Welchen Untergrund fährst du überwiegend? Asphalt, gemischt mit Schotter, oder echtes Gelände mit Wurzeln und Stufen.
  2. Wie lang ist die typische Strecke? Unter fünf Kilometer, fünf bis zwanzig, oder regelmäßig darüber.
  3. Transportierst du etwas? Nichts, eine Tasche, Einkäufe und Kinder, oder Tourengepäck.
  4. Fährst du bei jedem Wetter? Wenn ja, brauchst du Schutzbleche, Licht und einen Ständer ab Werk.
  5. Gibt es Steigungen oder Gegenwind? Und willst du dafür einen Motor, oder ist der Weg das Ziel?

Die Radtypen und wofür sie gebaut sind

Cityrad und Hollandrad

Aufrechte Sitzposition, Nabenschaltung, alles ab Werk dran: Licht, Schutzbleche, Gepäckträger, Ständer, oft ein Rahmenschloss. Gebaut für kurze Strecken im Alltag, Einkauf und Stadtverkehr. Schwer, langsam, praktisch unverwüstlich und wartungsarm. Über zehn Kilometer wird es zäh.

Trekkingrad

Der deutsche Standard und mit Abstand der häufigste Radtyp am Gebrauchtmarkt. Etwas gestreckter als ein Cityrad, Kettenschaltung mit großer Bandbreite, komplette StVZO-Ausstattung, Platz für Gepäckträger vorn und hinten. Der Kompromiss, der auf fünf bis vierzig Kilometern und auf Asphalt wie auf Waldwegen funktioniert.

Gravelbike

Rennlenker, breite Reifen, ruhige Geometrie, häufig Ösen für Schutzbleche und Gepäck. Für lange gemischte Runden das effizienteste Rad überhaupt. Als Alltagsrad brauchbar, wenn Anbauteile möglich sind; im technischen Gelände am Limit.

Rennrad

Schmale Reifen, gestreckte Position, kein Gepäck. Nur auf Asphalt sinnvoll und dort schnell. Als einziges Rad im Haushalt selten die richtige Wahl, als zweites Rad neben einem Alltagsrad eine sehr gute.

Mountainbike

Breite Stollenreifen, Federung vorn oder vorn und hinten, tiefer Schwerpunkt. Ab dem Moment sinnvoll, wo der Untergrund Wurzeln, Steinstufen und echtes Gefälle hat. Auf Asphalt langsam und laut; wer damit pendelt, fährt das falsche Rad.

Lastenrad

Kinder, Einkäufe, Werkzeug: alles, was in keine Satteltasche passt. Zweispurig stabiler im Stand, einspurig wendiger unterwegs. Braucht Abstellplatz und in aller Regel einen Motor. Der Radtyp, der ein Auto tatsächlich ersetzen kann.

Falt- und Kompaktrad

Für Wege, bei denen das Rad in Bahn, Bus oder Kofferraum mitfährt. Kleine Laufräder machen es wendig und etwas nervös; auf langen Strecken ermüdender als ein großes Rad. Der Vorteil liegt nicht im Fahren, sondern in dem, was zwischen zwei Fahrten passiert.

Die Bauarten im direkten Vergleich

Radtypen nach Einsatz
RadtypUntergrundStreckeGepäckAlltagstauglich
CityradAsphaltbis 10 kmKorb, Tascheab Werk komplett
TrekkingradAsphalt bis Waldweg5 – 40 kmvielab Werk komplett
GravelbikeAsphalt bis Schotter20 – 150 kmmit Ösennachrüstbar
Rennradnur Asphalt30 – 200 kmkaumnein
MountainbikeTrail, Gelände10 – 60 kmwenigeingeschränkt
LastenradAsphaltbis 25 kmsehr vielab Werk komplett
FaltradAsphaltbis 15 kmwenigmeist komplett

Die ehrlichste Prüfung ist ein Blick zurück statt nach vorn: Wo bist du im vergangenen Jahr tatsächlich gefahren? Die meisten Fehlkäufe entstehen, weil ein Rad für die seltene Ausnahmefahrt gekauft wird statt für die wöchentliche Regelfahrt.

Wer zweimal im Jahr eine Alpenüberquerung plant und dreimal die Woche zur Arbeit fährt, braucht ein Alltagsrad und leiht sich das andere. Das ist billiger als ein Rad, das beides halb kann.

Asphalt, loser Schotter und ein ausgefahrener Waldweg treffen aufeinander, ein Laufrad steht am Übergang
Der Untergrund entscheidet zuerst, die Distanz danach. Alles Weitere ist Ausstattung.

Mit Motor oder ohne

Ein Motor lohnt sich an drei Stellen: bei Steigungen, bei Distanzen über zehn Kilometer im Alltag, und bei Lasten. Er kostet gebraucht einen Aufschlag, bringt das Thema Akku-Restkapazität in die Kaufentscheidung und macht das Rad um sechs bis neun Kilogramm schwerer.

Gegen den Motor spricht wenig außer Preis und Gewicht, und der Umstand, dass ein E-Bike mehr Bauteile hat, die altern. Wer flach wohnt, kurze Wege fährt und kein Gepäck transportiert, bekommt für dasselbe Geld ein deutlich besser ausgestattetes Rad ohne Motor.

Die drei typischen Fehlgriffe

  • Das Mountainbike als Stadtrad. Der häufigste Fehlkauf überhaupt: schwer, laut auf Asphalt, ohne Licht und Schutzbleche, und die Federung arbeitet auf glatter Straße gegen dich.
  • Das Rennrad als einziges Rad. Sobald es regnet, Gepäck dazukommt oder der Weg unbefestigt wird, steht es. Als Zweitrad dagegen ausgezeichnet.
  • Das Faltrad für lange Strecken. Es ist für den Transport optimiert, nicht für die Fahrt. Über fünfzehn Kilometer merkt man den Unterschied deutlich.

Wenn die Bauart feststeht

Damit ist die schwierigste Entscheidung getroffen. Was jetzt folgt, ist in dieser Reihenfolge abzuarbeiten: die Rahmengröße festlegen, weil sie sich am fertigen Rad nicht mehr ändern lässt; beim Elektrorad die Restkapazität des Akkus prüfen; und schließlich Verschleiß und Herkunft, aus denen sich der faire Preis ergibt.

Wer sich bis hierher gefragt hat, welches Fahrrad passt zu mir, hat den Teil hinter sich, den kein Inserat beantwortet. Der Rest ist Messen und Rechnen.

Häufige Fragen zur Radauswahl

Welches Fahrrad passt zu mir, wenn ich nur pendle?

Bei bis zu zehn Kilometern auf Asphalt ein Cityrad, darüber ein Trekkingrad. Beide bringen Licht, Schutzbleche, Gepäckträger und Ständer ab Werk mit, und genau daran scheitern sportliche Räder im Alltag. Wenn der Weg Steigungen hat oder du ohne Umziehen ankommen willst, kommt ein Motor dazu.

Welches E-Bike passt zu mir?

Dieselbe Frage in zwei Schritten: erst die Bauart über Untergrund, Distanz und Gepäck bestimmen, dann Mittelmotor wählen, wenn es Steigungen gibt oder Gepäck mitfährt. Nabenmotoren sind günstiger und für flache, kurze Strecken völlig ausreichend. Beim Gebrauchtkauf entscheidet danach die Restkapazität des Akkus über den Wert.

Ist ein Trekkingrad oder ein Gravelbike besser?

Für den täglichen Weg das Trekkingrad, weil es Schutzbleche, Licht und Gepäckträger ab Werk hat und aufrechter sitzt. Für lange Wochenendrunden das Gravelbike, weil es leichter ist und effizienter rollt. Die Grenze verschwimmt: ein Gravelbike mit Ösen und nachgerüsteten Anbauteilen ist ein schnelles Trekkingrad mit Rennlenker.

Kann ein Rad alles?

Nein, und die Räder, die es versuchen, können alles nur halb. Ein Trekkingrad kommt der Sache am nächsten, weil es auf Asphalt und Waldweg funktioniert und Gepäck trägt; es ist aber weder schnell noch geländetauglich. Wer zwei sehr verschiedene Einsätze hat, fährt mit zwei gebrauchten Rädern oft besser als mit einem teuren Kompromiss.

Welches Fahrrad für welche Körpergröße?

Die Körpergröße bestimmt nicht den Radtyp, sondern die Rahmengröße innerhalb des gewählten Typs. Erst die Bauart festlegen, dann über Schrittlänge und Körpergröße die passende Rahmenhöhe bestimmen. Nur bei sehr kleinen Körpergrößen unter etwa 155 Zentimetern schränkt sich die Auswahl an Bauarten tatsächlich ein.

Lohnt es sich, mehrere Radtypen zur Probe zu fahren?

Sehr. Der Unterschied zwischen einer aufrechten und einer gestreckten Sitzposition lässt sich nicht lesen, nur fahren, und zehn Minuten auf jedem Typ ersparen einen Fehlkauf. Fachhändler bieten das an, und bei gebrauchten Rädern ist die Probefahrt ohnehin Teil der Besichtigung.